Freitag, 1. November 2013

Das Lieschen, Hermann und die Badewanne(n)

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 82  ---> guckst du hier 

Dass die Grete verspätet im Café eintraf, hat das Lieschen kaum bemerkt. So sehr war sie mit ihren eigenen  Gedanken und ihrer Erschöpfung beschäftigt. Sie hing förmlich in ihrem Stuhl und starrte, nicht wie sonst üblich die anderen Caféhausbesucher an, sondern stierte einfach aus dem Fenster. 
Nicht dass die Liese am Mittwochmorgen schon so viel getan hätte, dass eine Erschöpfung logisch gewesen wäre. Sie hatte eigentlich nichts getan. Fast gar nichts. Bereitgehalten hatte sie sich den ganzen Morgen. Der Hermann hatte gesagt „dann brauche ich dich zum Anpacken. Reinheben kann ich sie dann nicht alleine.“ Das Lieschen hatte im Vorfeld versäumt zu fragen, wann das vermutlich sein wird und er hatte von sich aus keinen Zeitpunkt genannt. Also hatte sie sich den Wecker auf frühmorgens gestellt, keine Tätigkeit begonnen, die sie ja sowieso bald unterbrechen müsste, wie sie dachte, und hat gewartet. Auf den Ruf, den sie sofort erkennen wollte, wenn er kam. Das war gar nicht so einfach, denn Hermann fluchte in unregelmäßigen Abständen. Manches Mal nur murmelnd. Oft auch laut. Lieschen hörte auch die gemurmelten Flüche. So sehr konzentrierte sie sich darauf, ihren Einsatz nicht zu verpassen und so ihren, wenn auch kleinen, aber eben, Beitrag zum Gelingen der Verbesserung zu leisten.

Als Hermann und Lieschen vor Jahren in das alte Haus eingezogen waren, befand sich eine Minidusche im Badezimmer. Eine Dusche, in der Lieschen Platzangst bekam. Und weil sie sich die Entspannung, verursacht durch das Liegen in einer Badewanne voll warmem Wasser wunderbar vorstellte, schlug sie Hermann vor, einen Handwerker zu bestellen, der ihnen die Dusche in eine Badewanne verwandeln sollte. Den Badewannenvorschlag fand der Hermann damals super, die ExterneHandwerkersache nicht. Noch am gleichen Tag hat er die Dusche aus dem Badezimmer entfernt, das Lieschen ins Auto gepackt und mit ihr eine Tour durch die örtlichen Bauhäuser zur Besichtigung der unterschiedlichsten Badewannentypen unternommen. Lieschen weiß es noch wie heute, dass sie immer wieder sagte „ eine gerade Form … und tief soll sie sein. „Jaja“ sagte der Hermann zum Lieschen und „die da“ zum Baumarktverkäufer. Er hatte sich für das Sonderangebot entschieden, das am nächsten Tag geliefert werden würde. Ein Modell in geschwungener Körperform. Wassersparend. „Viel zu klein“ hatte die Liese gemurmelt. „Quatsch“ hatte der Hermann gesagt. 
Drei Tage später lag das Lieschen in warmem Wasser. Gerne hätte sie gesagt: „gemütlich“, aber das war es nicht. Die Wanne war nämlich winzig und den Körper komplett nass zu bekommen und dabei noch entspannt zu liegen war kaum möglich. „Quatsch“ sagte der Hermann und duschte nach seinem ersten Badeversuch nur noch. Lieschen wäre nicht Lieschen, wenn sie sich nicht an die Baderei in einer Pfütze Wasser gewöhnt hätte und dieser nicht auch noch Gutes hätte abgewinnen können. Gemütlicher als Duschen war es allemal.

Ende letzter Woche nun hatte Hermann doch Lust zum Baden. Tat es und kam kurz danach zum Lieschen mit der Frage „Was hältst du davon, wenn wir einfach sagen: Fehler ist Fehler. Kann man aber ausbügeln?“ Er meinte, dass sie eine neue tiefere und geradere Badewanne kaufen sollten. Den Einbau würde er gerne wieder übernehmen. Und da fing Lieschens Anstrengung schon an. Eine irgendwie funktionierende Sache zu zerstören und sich so viel Arbeit zu machen, ist ja Lieschens Sache nicht. Jedenfalls nicht im Falle solch unhandlicher Sachen wie zum Beispiel Badewannen.
 Aber Hermann mag handwerkliche Arbeiten am Haus. Auch die großen Arbeiten. Da hat er Spaß dran. Und an der Vorstellung, eine Badewanne zu besitzen, in die er samt Wasser hinein passt hat ihn wohl auch gereizt. Also hat er wieder die Baumärktetour unternommen. Diesmal ohne das Lieschen, aber mit ihren „Anweisungen“ im Gepäck. Bestellung, Lieferung, Badewannenausbau und –einbau. Für Lieschen ein nichtüberblickbarer Akt. Für Hermann eine Freude, bei der das regelmäßige Fluchen zum Spiel gehört und nur Momentaufnahmen sind, die ER in der Sekunde wieder vergisst.
Am Mittwochmorgen musste das Lieschen nur helfen die Badewanne in die bereits ausgerichtete und „verzementierte“ Verschalung zu heben und mit der angelüpften Badewanne einen Moment rumstehen bis Hermann mit dem Verbringen der Abflussschläuche fertig war.

Das war leicht. Und doch hatte die Liese die mentale Anstrengung und Konzentration des Nichtstuns und Wartens noch enorm in den Knochen als Grete in hellster Aufregung fast mit Blaulicht im Café eintraf. Dem Lieschen war es Recht, dass die Grete so viel erlebt hatte und sie im Grunde nur Zuhören musste. Grete beruhigte sich im Laufe des Nachmittags und Lieschen erholte sich ein wenig.


Zuhause angekommen erwartete das Lieschen eine fertig geflieste und „versilikonte“ Badewanne, ein Hermann mit Muskelkater und die Aussicht auf unzählige Entspannungsbäder in einer Wanne, in der sie von  Wasser BEDECKT liegen können würde. Ein herrlicher Mittwoch also. Wie so oft schon.




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Kommentare:

  1. oh ja ... ein entspanntes Bad hat was ... das war die Aktion wert :-)
    Hat wieder großen Spaß gemacht hier zu lesen

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  2. Hallo Lieschen,
    wie schön, ich wünsch Dir viele erholsame Stunden in der Bütt! Ich bin ja auch so ein Badewannenfan. Wollte im neuen Haus unbedingt eine längere, damit ich nicht immer die Füße rausgucken habe, wenn ich bis zum Hals reinrutschen möchte ins warme Nass. Und das Ende vom Lied: wenn die Wanne nass ist, rutsche ich so tief rein, dass ich fast ersaufe. Überlege mir gerade eine ansprechende Seenotrettung :-)
    liebe Grüße, Petra

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  3. brigitta, duGute,
    ich kann verstehen, was du durchgemacht hast. Bist ja
    schließlich ein gebranntes Kind. Aber wie sagt man so
    schön: Ende gut, Alles gut!
    Ich wünsche dir ein ganz entspanntes erstes Bad in der
    neuen Wanne.
    Liebe Abendgrüße schickt dir
    Irmi

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  4. Ach Lieschen, ich kann sehr gut verstehen, dass du erschöpft bist. Diese Badewannenaktion hat ja so einiges abverlangt, dir und dem Hermann.

    Lieschen kann ja (fast) allem noch etwas abgewinnen. Aber ich finde auch,wenn man etwas korrigieren kann, das nicht so prima läuft wie gedacht, dann darf man das ruhig tun.

    Ich hoffe nun mal, dass dem lieschen viele entspannte Stunden gegönnt sind in der neuen Wanne. und Hermann kann wählen, ob er lieber duschen oder ein Bad nehmen will.
    Jetzt, wo die Wintermonate vor der Tür stehen, ist so eine Badewanne bestimmt eine gute Investition.

    Ich hoffe jetzt, dass Lieschen inzwischen schon das erste Bad genießen konnte.
    Lieben Gruß
    Enya

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Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))