Freitag, 22. November 2013

Lieschen erinnert sich an tote Hühner und noch mehr

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 98 ---> guckst du hier

Zu Gretes Bericht von heute würde das Lieschen am liebsten gar nichts sagen. Ist ja kein leichtes Thema, das die Grete da durch ihr Erlebnis aufwirft. Oder geht es nicht nur um die Ächtung von Hundebesitzern, die ihre Mitmenschen mit deren Exkrementen quälen? „Mal sehen“, denkt die Liese und startet das Nachdenken. 

Lieschen war ja selbst Hundebesitzerin, oder richtiger formuliert: Lieschen und Hermann wurden viele Jahre lang von Hunden besessen. Lieschen hat keine Kinder und Lieschen mag Städte weder für Kinder noch für Haustiere. Asphalt! Überall Asphalt! An Kindern und Tieren sieht man, wie schwer und unnatürlich ein Leben in der Stadt ist, denkt sie und korrigiert sich gleich selbst, indem ihr die Parks und Spielplätze einfallen, die ja zum Ausgleich erfunden wurden. Rasenflächen gibt es ja auch. Manche darf man sogar betreten. 

Luis kann ja froh sein, dass seine Mutter mit ihm auf den Spielplatz geht und dass sie ihm erlaubt in Pfützen zu spielen ist ja ne Wucht. Lieschen ist direkt ein bisschen gerührt über die gute Frau Heber und hätte ihr mehr Glück gewünscht. Hundescheiße am Kind ist ja eine unangenehme Sache. Erst Recht in einer Etagenwohnung. Erleichternd wäre in solch einem Fall ein Wasserschlauch auf dem Hof oder im Garten. Aber in Städten ist das ja nicht die Regel.

Hunde in Städten haben es aber auch nicht leicht. Natürlich wäre besser, sie müssten so nicht leben, meint die Liese, denkt aber an manchen alten Menschen in ihrer Umgebung, der als „einzige Bezugsperson“ seinen Hund hat. Bei manchen machen die Beine auch nicht mehr so mit und das Bücken ist auch nicht mehr leicht. Würden diese Menschen ohne ihre Hunde noch an die frische Luft gehen? Was würde aus ihnen? Wer kümmerte sich? Und selbst, wenn sie noch besser zu Fuß sind, die Hundebesitzer. Wo sollen sie hin mit ihren Hunden? Gibt es denn, so wie für Kinder, extra Plätze für Hunde? Oder darf man so etwas gar nicht als Frage in den Raum stellen?

Zusammenleben ist nicht einfach. Nirgendwo. Nicht in Städten. Nicht auf dem Land und nicht im Wald. Lieschen hat es, damals im spanischen Wald, geliebt, mit den Hunden ohne Leine durch die Natur „zu toben“. Lieschen liebt ja ihre Freiheit, die der anderen und die der Tiere auch. Das ist auch viele Monate gut gegangen. Glückliches Lieschen und glückliche Hunde, ganz natürlich. Aber Hermann, Lieschen und die Hunde hatten einen Nachbarn. Eigentlich war sein Haus weit weg. Bestimmt 500 Meter. Aber dessen Haus war kein einfaches Wohnhaus, sondern ein Bauernhof „wie er im Buche steht“. In alten Büchern. Kein Strom, Felder und viele Tiere. Unter anderem jede Menge Hühner und mehr als 100 Schafe. Und der Bauer liebte auch die Freiheit. Seine und die der Hühner. Die seiner Hunde nicht. Die lebten in Zwingern und waren nur für die Jagd. Die liebte das Lieschen nicht. Nicht selten lärmte aufkommendes Schrot auf dem friedlichen Hermann/Lieschengrundstück. Aber das hatte keine Bedeutung, denn Jagen war zu bestimmten Zeiten erlaubt. 

Schafe auf andere Weiden treiben auch. Das mochten der Hermann und die Liese. Wenn die Schafe mitten über ihr Grundstück marschierten, hielt die Liese die Hunde fest und freute sich über den Anblick. Vorne der Bauer mit dem „Schäfer“hund, der auch besser behandelt wurde als die anderen und am Ende der langen Reihe Schafe die alte Bäuerin. Über achzig Jahre alt, gebeugt und schnell. Sie ist bereits in diesem Waldhof geboren und sollte dort auch sterben. Ein wunderbares Bild, das dem Lieschen stets wie pures Leben erschien und ihr den Tag versüßte.

Aber zurück zu den Hunden, deren Freiheit die Liese liebte und den Hühnern, deren Freiheit der Bauer liebte. Um es kurz zu sagen: Hühner sind nicht in jedem Fall schneller als Hunde. Ergebnis: Hunde reißen Hühner. Jedenfalls dann, wenn beide frei sind. Der Bauer hat die Hunde erwischt, darauf verzichtet, sie zu erschießen, was die übliche Vorgehensweise in einem solchen Fall gewesen wäre und stattdessen Gottseidank den Hermann und das Lieschen informiert. Noch am gleichen Tag haben die beiden begonnen ein riesiges Gatter für die Hunde zu bauen. Besser ist besser haben sie sich gesagt. Die Hunde haben sich an die Leinen gewöhnt und die restlichen und kommenden Hühner vermutlich überlebt.

Warum der Liese die Geschichte einfiel? Vielleicht weil sie untermauern soll, dass Zusammenleben auch in solch großer Distanz Kompromisse erfordert und mit Macht und Ohnmacht zu tun hat. Manches regeln geltende Gesetze und manches nicht.

Hermann, der den Hund in den letzten Jahren in der Stadt am häufigsten ausführte, könnte ein Lied von Radfahrern am Rande des Flüsschens singen, die nicht klingeln, aber rasen und so Mensch und Tier fast zu Tode erschrecken. Und von noch Vielem mehr. Gottseidank war die Stadtphase für den kleinen Hund die kürzeste seines Lebens.

Lieschen mag lebendiges Zusammenleben. Auch mit Nachbarn. Auch mit Kindern. Auch mit Tieren. Auch wenn es manchmal nicht so einfach ist. Es verlangt halt von allen irgendetwas.





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Kommentare:

  1. Ich mag auch lebendiges Zusammenleben, aber ein paar Regeln muss man leider beachten.
    Wenn ich mit meinem Rad unterwegs bin, dann erlebe ich gerade mit Hunden immer so einiges und das liegt immer am Herrchen oder Frauchen.... niemals am armen Tier, das oft überforder ist.
    Hunde brauchen ihren Auslauf, im Wald ohne Leine völlig zwanglos. Leider geht das nicht und in einer Etagenwohnung fühlt sich so ein Tier auch nicht richtig wohl. LG Geli

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  2. Brigitta, ich mag das friedliche Zusammenleben mit Menschen, Kindern und Tieren auch. Allerdings müssen sich alle an gewisse Regeln halten, sonst geht es nicht.
    Über die Radfahrer muss ich mich allerdings auch oft aufregen, wenn sie ohne zu klingeln vorbeisausen und einen bald umfahren.
    Deine Schilderung war wieder sehr lehrreich, lustig und auch etwas traurig.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  3. Hallo Brigitta,
    wir sind Katzenbesitzer und keine Hundebesitzer. Katzen finde ich pflegeleichter als Hunde, denn Hunde muss man regelmäßig spazieren führen. Hunde haben sicherlich eine gewisse Ästhetik. Wie bei Katzen, müssen sich Menschen um Hunde kümmern.

    Gruß Dieter

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  4. Seufz...und wieder hat das Lieschen recht.Ein friedliches Zusammenleben von Menschen und anderen Kreaturen erdordert Kompromisse.
    Dass dies nicht nur in der Stadt schwierig ist, hat Lieschen eindrucksvoll geschildert.

    Hier bei uns gibt es übrigens mehrere solcher "Hundeplätze", wo die Tiere toben können, Artgenossen begegnen und Sozialverhalten lernen. Auch die "Frauchen" und "Herrchen" kommen sich näher - wie bei den Kindern, Müttern und Vätern auf dem Spielplatz.

    Mir gefällt es auch besser, wenn Hunde in Freiheit leben können, nicht ständig eine Leine brauchen. Aber gerade in der Stadt, wo auch ältere Menschen oft einen Hund haben, scheint das problematisch. So ein alterer mensch ist nicht mehr so mobil, dass er mir seinem Tier weite Wege gehen kann, um freie Flächen zu finden.

    Radfahrer erlebe ich oft nicht minder rücksichts- oder gedankenlos als Hundebesitzer.
    So scheint es überall immer wieder an der Bereitschaft zu mangeln, nachzudenken und sich ein wenig zurückzunehmen. Böser Wille ist das alles oft gar nicht.

    Toll die Idee mit dem riesigen Gatter, nur leider ist das nicht jedem möglich....

    Lieben Gruß
    Enya

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Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))