Donnerstag, 21. November 2013

Lieschen war in der Crowd

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 97 ---> guckst du hier

„Lustig“ denkt das Lieschen, „lustig war‘s gestern. So lustig wie die Grete berichtet hat.“ Lustig findet sie aber auch, dass die Grete zu Beginn ihres Eintrags darauf hingewiesen hat, dass sie nur im Notfall lügt und dann am Ende einfach weggelassen hat, dass das Lieschen an Pocher nix auszusetzen hat und Schmidt echt gut findet. Kurz denkt sie darüber nach, ob solch eine Auslassung vielleicht doch unter der Rubrik Lüge verbucht werden könnte oder sollte, schiebt die Überlegung aber schnell zur Seite, weil sie es dann doch nicht so wichtig findet.

Harald Schmidts Latenightshow hat das Lieschen viele Jahre lang geguckt. Damals als man sie noch im kostenlosen Fernsehen empfangen konnte. An den Standupscherzen hat sie sich das Tagesgeschehen zusammen gereimt, wenn sie die Tagesnachrichten nicht kannte. Und die uneitle und intelligente Art des Herrn Schmidt, die wesentlichen Punkte aus Ereignissen zu filtern gefällt dem Lieschen. Außerdem mochte sie die völlig natürliche Art von Herrn Andrack, dem Sidekick und der süßen Französin, deren Namen sie vergessen hat. Herrn Pocher findet die Liese oft witzig. Vielleicht vor vielen Jahren ein bisschen grenzüberschreitend, aber in letzter Zeit hat sie eigentlich keine Scherze von ihm gesehen oder gehört, von denen sie vermutet, dass er, würden sie über ihn gemacht, nicht auch herzhaft lachen könnte. 

Und weil Lieschen so gerne lacht, gefallen ihr natürlich auch die meisten Comedians. Bei den aktuellen ist sie nicht besonders wählerisch, die mag sie alle irgendwie auf ihre Art, würde aber zu niemandem live in dessen Show gehen. Warum auch? Irgendwann zeigt RTL ja jede Show. Und in RTL-NOW kann die Liese dann weiterspulen, wenns ihr langweilig wird.

Gestern hat sie mit der Grete über all die Klassiker gelacht, die aus dem kollektiven Bewusstsein nicht mehr wegzudenken sind. „Das Bild hängt schief“ z.B. kann man als Satz ja kaum stehen lassen ohne an den unvergessenen Herrn Loriot zu denken, Herr Müller-Lüdenscheidt möchte in Deutschland wahrscheinlich niemand heißen und eine Herrenbutikwe in Wuppertal bräuchte sich um Werbung ja nicht zu kümmern. Sogar an den alten Tegtmeier haben sich die beiden gestern erinnert. „Ach was waren das noch Zeiten“ haben sie ein ums andere Mal gesagt, wenn die Münder mal kurz leer waren. Lieschen mochte Gretes Apfelkuchen nämlich sehr. Gottseidank ist dem unter dem Balkongespräch ja nix passiert. 

Das wusste auch der Heinevetter zu schätzen. Unter irgendeinem Vorwand kam er nämlich während des Kaffeetrinkens kurz rüber bei der Grete klingeln. Und wie die Grete so ist, hat sie ihm gleich zwei Stückchen „aufgedrängt“. Also eigentlich hat sie sie ihm gegeben. Auf einem der guten Teller. Aber der Herr Heinevetter hat so oft „ach das ist doch nötig, Frau Meier!“ und „ne, lassen sie mal, ich wird ja zu dick!“ gesagt, dass es letztlich wie Aufdrängen aussah. Sollte es wahrscheinlich auch. „Das ist das Ritual?“ hat das Lieschen die Grete gefragt und die Grete hat nur genickt und ein bisschen den Kopf geschüttelt.

Dass der Herr Hildebrandt so plötzlich gestorben ist, tut dem Lieschen leid. Irgendwie hat er sie ja ihr gesamtes (Fernseh)leben lang begleitet und sie hat gelesen, dass er noch Abschiedsauftritte geplant hatte. Zu denen kommt es jetzt ja nicht mehr. „Vielleicht ist das gut so“ hat sie gestern noch zur Grete gesagt. „Vielleicht war es so leichter für alle. Ohne großen Abschied. Einfach Ende. Wer weiß?“ Aber sie wussten es natürlich beide nicht. Die Dinge und Ereignisse im Leben sind halt wie sie sind. 

Das Lieschen ist nur froh, dass der Herr Hildebrandt erst kürzlich mit dem Sohn seines Freundes den STÖRSENDER im Internet gegründet hat. Durch seinen Namen und die (wunderbar hinterrückse) Werbung von Herrn Barwasser (Pelzig) und Roger Willemsen im ZDF hat das Crowdfunding dafür wunderbar geklappt und es existieren schon jede Menge wichtiger kritischer Sendungen im Störsender. Der lebt weiter. Auch dank und mit Urban Priol, Konstantin Wecker und vor allem Georg Schramm. Priol, Barwasser und Schramm legen so deutlich, informierend und intelligent unterhaltsam die Finger in die Wunden der Gesellschaft, dass ein unabhängiges Sendeformat (wenn auch im Internet) gut ist. Meint jedenfalls die Liese, die jetzt besonders froh, dass sie sich in der Crowd befunden hat und so einen bescheidenen Beitrag zur Entstehung des Senders geleistet hat.


Als Grete das Lieschen dann gegen ihren ausdrücklichen Willen im Wagen nach Hause gefahren hat, war es schon spät. Viel später als an einem üblichen Mittwoch. Irgendwie hatten die beiden bei all der Erinnerei und Lacherei die Zeit völlig vergessen. „Macht nix“ sagten sie beide „schlafen wir halt ein bisschen schneller. Schließlich leben wir ja nur einmal. Und haben wir ja heute wieder gesehen, wie plötzlich das vorbei sein kann.“




Grete und Lieschen als kostenloses E-Book - die ersten 50 Kapitel: 

1 Kommentar:

  1. Früher war alles viel besser. Auch die Komiker hatten mehr Biss, aber die Zeiten haben sich geändert und der Geschmack auch. Ich kann über vieles nicht lachen, aber manchmal finde ich auch Cindy aus Marzahn witzig, ist stimmungsabhängig. Herr Hildebrandt war sehr alt, viele war er bekannt und die Trauer ist groß. Ich sehe das sehr gemischt, wenn ich die Todesanzeigen in meinem Lokalteil lese, da wird mir ganz anders.
    Apfelkuchen mag ich auch so gern seufzzzz
    LG Geli

    AntwortenLöschen

Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))